Auf Wunsch der Fraktionen und wegen der großen Anzahl der anwesenden Bürgern wird beantragt, den TOP vorzuziehen. Hierzu gibt es keine Gegenstimmen.
Hr. Rabel meldet sich zu Wort und möchte eine Vertagung des TOPS erreichen, was er mit neuen Informationen begründet. Es handelt sich dabei um Informationen von Seiten des Weltkulturerbes, bei dem Prof. Dr. Grewenig eine Mappe kurz vor der Stadtratssitzung verteilen ließ. Darin wird ein Zusammenhang zwischen dem Status des Weltkulturerbes Völklinger Hütte und einer Pufferzone um das Erbe herum hergestellt, der eine mögliche Umbenennung bzw. gänzlichen Verzicht auf den Namen Röchling als problematisch ausweist. Eine Untersuchung diesbzgl. ist seitens des Weltkulturerbes wohl angestoßen. Wie in der SZ zu lesen war, wird dieses Gutachten aber eine geraume Zeit (möglicherweise Jahre?) in Anspruch nehmen.
Außerdem beantragte Hr. Rabel eine geheime Abstimmung, da ihm auch zugetragen wurde, dass Stadträte teils massiv unter Druck gesetzt worden seien.
Hr. Kuhn (SPD), Hr. Jost (GRÜNE) und Hr. Remark (Pro Vk) sagten in ihren Wortmeldungen, dass sie heute in der Sitzung schon über eine Umbenennung abstimmen wollten.
Für den Antrag der CDU reichte nach Satzung eine 1/3 Mehrheit des Stadtrates. Der Antrag wurde entsprechend angenommen und es wurde geheim gewählt. Der Antrag auf „Vertagung der Umbenennung der HRH“ wurde mit 27 zu 22 Stimmen mehrheitlich angenommen. Somit wurde der TOP nicht weiter behandelt.
Nachfolgend das Statement der SPD Fraktion:
Auch wir haben uns lange mit dem Thema beschäftigt und konnten durchaus auch anfangs nachvollziehen, dass Bürger der Meinung sind, dass dies kein Thema von Interesse sei, dass es schon über 50 Jahre zurückliegt und dass es wichtigere Themen gibt. Auch war das vor einem Jahr in einem Interview des Fraktionsvorsitzenden in den Saarbrücker Heften noch so zu lesen.
Dann allerdings kam vor einigen Wochen der Antrag auf Umbenennung der HRH in Bouser Höhe als TOP in den Stadtrat. Das Thema wurde Bestandteil intensiver thematischer Auseinandersetzung in zahlreichen Gesprächen und Diskussionen und es wurde schnell klar, dass das Thema auch innerhalb der Partei auf breiterer Basis, nämlich innerhalb eines einberufenen KPA´s, einem politischen Gremium in der SPD VK, diskutiert werden muss. Daher konnten wir damals lediglich für eine Vertagung des Themas plädieren. Anders als im Jahre 1956.
Anwesend beim KPA war Herr Dr. Horsch, ein politisch unabhängiger Historiker, der in den letzten Jahren bereits Schriften über Herrmann Röchling in den Saarbrücker Heften veröffentlicht hatte. Die meisten von uns waren schockiert, was dort zu lesen und zu hören war. Daher war auch das Votum dieses Gremiums mehr als eindeutig:

  1. Das ist eine politische Entscheidung, weil wir hierfür die politische Verantwortung haben. Die Entscheidung des Stadtrates von 1956 war falsch.
  2. Wir stehen für die Streichung des Namens Hermann Röchling.
  3. Eine neue Namensgebung soll durch die Bürger entschieden werden.

Viele Bürger betonen, dass Herrmann Röchling Gutes getan hat, dass er vieles für seine Arbeiter und für Völklingen getan hat. Aber rechtfertigt das auch die Aufstachelung zu Deportationen und aktiver Hilfe zu massenhafter Judenverfolgung und menschlicher Ausbeutung?
Bereits im August 1914 schlug er dem Reichsstatthalter von Elsass Lothringen vor, nach dem Sieg über Frankreich das Erzbecken von Briey zu annektieren und die dortige Bevölkerung zu vertreiben. Er schrieb: „ In dem Erzgebiet wohnen heute fast nur ITALIENER, Elsass- Lothringer und Polen. Leute die durch Deutsche zu verdrängen sind.“

Herrmann Röchling verfasste Briefe, Denkschriften usw. an und für Hitler. So schreibt er an Adolf Hitler im Juli 1933 (inhaltlich):
Im Saargebiet lebten 1927 etwa 4200 Juden. Heute, also 1933 hat die Judenzahl durch Flüchtlinge erheblich zugenommen. Neben anderen Vorschriften wird das Saargebiet nach 1935 auf alle Fälle ein jüdischer Naturschutzpark. Es scheint mir aber notwendig zu sein, durch geeignete Maßnahmen, die jetzt schon bald einzuleiten wären, zu verhindern, dass das Saargebiet zu einem jüdischen Ghetto für ganz Deutschland wird.

Daran erkennt man, dass es nicht nur darum ging, Befehle zu empfangen, sondern er war ein Treiber für den Krieg und ein Antreiber zum Handeln gegen die Juden und anderen Ausländern. Er ging gegen alle vor, die nicht deutsch waren.

Ein paar Worte zu den Arbeitslagern:
In einem Bericht vom 4. Januar 1943 verlangte Röchling, dass möglichst rasch Verhandlungen aufgenommen werden, um eine bedeutende Anzahl junger Russen im Alter von etwa 15 Jahren für den Einsatz in der Eisenindustrie zu gewinnen.
In einer Denkschrift von 1943 fordert er, eine allgemeine Erfassung aller jungen Franzosen, Belgier und Holländer und die gesetzliche Einführung einer Arbeitsdienstpflicht in diesen 3 Ländern, um die so Erfassten in der Kriegsindustrie einzusetzen oder in die Wehrmacht einzureihen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Röchlings das Unternehmen in einer großen Stahlkrise 1978 für 160 Mio. DM verkauft haben, nachdem alles heruntergewirtschaftet war und so gut wie nichts in den Vorjahren investiert worden war. Dann hat man Völklingen verlassen.

Anmerkung zum Argument von Prof. Dr. Grewenig vom Weltkulturerbe Völklingen bzgl. seiner Eingabe an den Stadtrat:
Warum schied denn damals bei der Namensfindung des Weltkulturerbe die Option „Röchling Völklingen“ aus? Diese Frage wurde auch deutschlandweit in den Medien gebracht. Im Jahr 2000 hieß es bei Kontraste in der ARD: „ Bleibt ein Kriegsverbrecher der Namenspatron?“ Heraus kam der Name Weltkulturerbe Völklinger Hütte!